Einmal Deadpool, bitte …

Robert Rescue und sein Freund Harvey

Ich stehe vor der Kasse. Gleich kommt der Moment, wo ich mich vor der jungen Frau outen muss. Ob sie häufig solche Gestalten wie mich vor sich stehen hat?
„Einmal Deadpool, bitte“, sage ich leise. Normal wäre „Zweimal Deadpool, bitte“. Cool wäre „Dreimal Deadpool, bitte“ und bewundernswert „Zehnmal Deadpool, bitte. Für mich und meine coolen Freunde.“
„Das tut mir leid für Sie“, antwortet sie.
„Ist der Film so schlecht?“, frage ich zurück und versuche ein Lächeln. „Ich wollte mich von der Kritik nicht beeinflussen lassen in meinem Vorhaben, wissen Sie? Ich will mir selbst ein Bild machen.“
„Nein“, sagt sie und zögert. „Ich meine, dass Sie alleine ins Kino gehen.“

(Aus: Robert Rescue „Das Leben hält mich wach“)

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Und dann jener Mittwochmorgen, als …

Robert Rescue -periplaneta

Und dann jener Mittwochmorgen, als sie bei Dana la Taphaa übernachtet hatte. Das war häufiger vorgekommen in den sechs Monaten, die sie bislang in der Lehre war, aber bis auf diesen Morgen war nie etwas Außergewöhnliches geschehen. Sie war in Unterwäsche in die Küche gekommen. Ihre Lehrmeisterin saß bereits am Tisch. Als Tasha Me sich vom Küchenbord eine Tasse holen wollte, war es geschehen. Dana la Taphaa stand plötzlich hinter ihr und berührte sie an den Schultern, an den Armen und den Brüsten. Tasha Me hatte sich nicht dagegen gewehrt, weil sie es in diesem Moment als erregend empfand. „Dann wollen wir doch mal schauen“, so flüsterte Dana la Taphaa ihrer Schülerin ins Ohr, …
(Aus: Robert Rescue „Der Intimitätendieb“)

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Das Schlimmste am Künstlerdasein ist …

Zum Glück Robert Rescue 01

Das Schlimmste am Künstlerdasein ist die Vergänglichkeit des Geschaffenen. Ein vor Jahren geschriebener Text ist heute nicht mehr gut und ein heute geschriebener Text kann oder wird morgen schlecht sein. Bevor ich die Texte zerreiße, werfe ich einen Blick drauf, lese ein paar Sätze oder auch einen Absatz. Ich erinnere mich augenblicklich, zu welchem Zeitpunkt meines Lebens ich den Text geschrieben habe, welche Absicht dahinterstand oder welches Erlebnis ich beschrieben habe. Traumtrinker heißt ein Text. Ein sonderbarer Mann läuft nachts durch die Straßen und trinkt die Träume der Schlafenden. Meine Güte. Wozu, weshalb, warum, steht nicht im Text. Mein heutiges Ich als Autor schaut verächtlich herab auf dieses fantastische, träumerische Empfinden eines jungen Menschen Mitte 20.

(Aus: Robert Rescue „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“)

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Ich sitze im Schulungsraum …

Robert Rescue - periplaneta

Ich sitze im Schulungsraum an meinem Laptop und warte, dass der Existenzgründungskurs losgeht. Die anderen drei Teilnehmer, zwei Frauen und ein Mann, haben keinen Laptop mitgebracht.
Die Frau links von mir erzählt, dass sie etwas mit „Franchising“ machen will, allerdings verstehe ich aufgrund ihrer undeutlichen Aussprache nicht, für welches Produkt. Die Frau rechts von mir erklärt, sie wolle einen Kindergarten für ausländische Kinder im Prenzlauer Berg eröffnen. Der Dozent nickt zustimmend, doch ich frage mich, wie oft er die gleiche Idee schon gehört hat.
Der Mann ist Rumäne und will was mit „Bau“ machen. Konkret wird er auf Nachfragen des Dozenten nicht, seine Antwort ist immerzu „Bau“. Ich kann mir vorstellen, dass es schwierig wird, da einen Businessplan zu formulieren, der länger ist als ein Wort.
(Aus Robert Rescue: „Eimerduschen- Ein Opfer packt aus“)

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„Eimerduschen“ jetzt bei Audible

Robert Rescue  „Eimerduschen – Ein Opfer packt aus“

EimerduschenBuch & CD, September 2012, Periplaneta Berlin,
Edition MundWerk
print ISBN: 978-3-943876-52-9
epub ISBN: 978-3-943876-32-1

Pech hat jeder mal, aber manche Menschen kennen nichts anderes. Robert Rescue ist so ein Mensch.
Ob bei der Bundeswehr, beim Jobcenter oder im Clinch mit der Hausverwaltung, überall steht er in der Schlange und kommt als einziger nie dran. Er ist immer etwas zu spät, zu ehrlich oder zu nett.
Doch er macht das Beste draus und kämpft sich hartnäckig durch einen Dschungel aus Willkür, Kommunikationspannen und Inkompetenz – nur, um sich wieder ganz hinten anzustellen. Aber wenn man der Tragik des Seins mit genügend trockenem Humor begegnet, dann werden aus Rückschlägen Vorteile und aus vermeintlichen Opfern heimliche Helden.

Robert Rescue bei Audible

Zum Glück hab ich wenigstens Pech - Robert RescueRobert Rescue „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“ (Buch & CD)

Ein wohlüberlegter Anmachspruch zieht nicht, die mühsam gesammelten Payback-Punkte reichen höchstens für einen Kugelschreiber und das Jobcenter stellt sich quer, weil die Berufsbezeichnung „Autor“ im System nicht existiert. Ein paar hartnäckige Zwangsneurosen machen Robert Rescue zudem das Leben schwer und selbst der eigene Klon nimmt ihn nicht ernst. Im Kampf mit diesen alltäglichen Miseren hat der Berliner Lesebühnenautor und Brauseboy jahrelang Erfahrung. Manchmal muss er kapitulieren, aber immer kontert er mit stoischer Gelassenheit und trockenem Humor. Denn das Problem an sich ist ja meistens nicht das Problem.
In seinen Texten erzählt Robert Rescue, wie man mit Kreativität, Phlegmatismus und Beharrlichkeit alles schaffen und selbst einen Bankräuber zum Weinen bringen kann.

Das Böse ist zurückgekehrt …

Robert Rescue -periplaneta

Das Böse ist zurückgekehrt, fasste sie die Ereignisse zusammen. Die Inquisition schlägt die blutgetränkten Akten wieder auf und schürt die Scheiterhaufen. Ein Wiedergänger der Inquisitoren ist unter uns und all die Perversionen von Anklage, Prozess und Folter werden sich wiederholen. Wenn er seine mörderische Mission in die Öffentlichkeit trägt, werden sich die Menschen seiner blutrünstigen Ideologie zuwenden. Die angeblich so aufgeklärten Menschen des ausgehenden 20. Jahrhunderts würden wieder an das bösartige Wirken von zaubernden, böswilligen Frauen glauben, die Brunnen vergifteten, Unwetter hervorriefen und Haus und Hof ins Elend hexten.
Das natürlich in einer modernen Variante – globale Naturkatastrophen beschwören, Computersysteme zum Absturz bringen und Epidemien verbreiten. Der Hexenmörder, der Inquisitor, würde bald dazu aufrufen, diesen vermeintlichen Taten ein Ende zu setzen.
(Aus: Robert Rescue „Der Intimitätendieb“)

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Meine Stimme war weg.

Zum Glück Robert Rescue periplaneta

Meine Stimme war weg. Anfangs war es nur eine Heiserkeit, die am nächsten Tag nicht abgeklungen war. Die Stimme wurde zu einem Krächzen, die, um mein neues Wissen anzuwenden, weit, weit weg von der Indifferenzlage lag. Normales, alltägliches Sprechen wäre bei der Erkältung keine Gefährdung gewesen, doch die Stimmübungen hatten die Stimmbänder angegriffen.
In der Folgezeit versuchte ich es mit etwa 500 Liter Kamillentee, Schweigen, dem Gurgeln von ungenießbarem Salbeitee und Aluminiumchlorid-Hexahydrat. Der Name des Letzteren drückte aus, was passierte, wenn man das Zeug aus Versehen schluckte. Es schmeckt in etwa wie ein Bier, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum seit vier Jahren abgelaufen ist. Ein Kollege hatte mir das Zeug empfohlen und inzwischen glaube ich, dass er es nicht aus Hilfsbereitschaft getan hat, sondern weil er mich aus dem Weg schaffen wollte.

(Aus: Robert Rescue „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“)

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Ein berühmter Gelehrter hat mal gesagt:

Robert Rescue - periplaneta

Ein berühmter Gelehrter hat mal gesagt: „Das größte Geheimnis einer Frau ist ihre Handtasche.“ Frauen bewahren darin grundsätzlich folgende Dinge auf: Eine Handgranate (zum Selbstschutz), einen Positronenlaserzerstäuber (auch zum Selbstschutz), eine lokal wirkende Neutronenbombe im Ladylook-Format (mehr als zum Selbstschutz), eine Packung Taschentücher, Pfefferminzpastillen, ein Handy sowie diverse andere Dinge, die leider meine Phantasie übersteigen.
(Aus Robert Rescue: „Eimerduschen- Ein Opfer packt aus“)

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Ich bleibe am Regal mit den Büchsen-Sixpacks stehen

Zum Glück Robert Rescue - periplaneta

Ich bleibe am Regal mit den Büchsen-Sixpacks stehen und studiere die Preise. Fast 25 Kronen für ein Sixpack, das sind etwa 2,98 Euro. Im ALDI kostet ein Sixpack ohne Pfand 1,69 Euro. Da scheint mir diese Sorte doch ein Schnäppchen zu sein, vermutlich das norwegische Sternburg oder Pilsator. Ist zwar immer noch teurer als gewohnt, aber damit kann ich noch leben. An der Kasse dann der Schock. Der gelistete Preis galt nicht für das Sixpack als Gebinde, sondern für eine einzelne Dose! Somit kostet der Biergenuss etwa 150 Kronen, was ungefähr 18 Euro entspricht. Für die Summe könnte ich mich in Berlin so betrinken, dass ich mir am Mini-Kaufhaus in der Malplaquetstraße eine halbe Stunde lang die Auslage anschaue und überlege, mir den 70iger-Jahre-Kamelhocker für 25 Euro zu kaufen.
Hinzu kommt, dass sich der Kassierer um 700 Kronen verrechnet hat, was mir als Norwegen Unkundiger wohl nicht aufgefallen wäre.
„Wir sind bei den Wikingern“, sagt Julia draußen auf dem Parkplatz, „die haben Jahrhunderte Erfahrung, Leute auszunehmen.“

(Aus: Robert Rescue „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“)

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