Wo sind die Eimerduschen?

Eimerduschen - Robert Rescue - periplaneta

Die schlechte Nachricht zuerst: Die „Eimerduschen“ sind alle.

Allerdings darf so ein Klassiker natürlich nicht sterben. Also hat der Verlag eine Neuauflage angekündigt. So eine frohe Kunde euphorisiert alle Beteiligten. Und so wird es von Herrn Rescue noch im Jahr 2017 einen neuen Kurzgeschichtenband geben. Nach „Eimerduschen“ und „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“ ist das dann der dritte. Zum eigenen Werksverzeichnis ist es dann nicht mehr weit.

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Meine Stimme war weg.

Zum Glück Robert Rescue periplaneta

Meine Stimme war weg. Anfangs war es nur eine Heiserkeit, die am nächsten Tag nicht abgeklungen war. Die Stimme wurde zu einem Krächzen, die, um mein neues Wissen anzuwenden, weit, weit weg von der Indifferenzlage lag. Normales, alltägliches Sprechen wäre bei der Erkältung keine Gefährdung gewesen, doch die Stimmübungen hatten die Stimmbänder angegriffen.
In der Folgezeit versuchte ich es mit etwa 500 Liter Kamillentee, Schweigen, dem Gurgeln von ungenießbarem Salbeitee und Aluminiumchlorid-Hexahydrat. Der Name des Letzteren drückte aus, was passierte, wenn man das Zeug aus Versehen schluckte. Es schmeckt in etwa wie ein Bier, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum seit vier Jahren abgelaufen ist. Ein Kollege hatte mir das Zeug empfohlen und inzwischen glaube ich, dass er es nicht aus Hilfsbereitschaft getan hat, sondern weil er mich aus dem Weg schaffen wollte.

(Aus: Robert Rescue „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“)

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Ein berühmter Gelehrter hat mal gesagt:

Robert Rescue - periplaneta

Ein berühmter Gelehrter hat mal gesagt: „Das größte Geheimnis einer Frau ist ihre Handtasche.“ Frauen bewahren darin grundsätzlich folgende Dinge auf: Eine Handgranate (zum Selbstschutz), einen Positronenlaserzerstäuber (auch zum Selbstschutz), eine lokal wirkende Neutronenbombe im Ladylook-Format (mehr als zum Selbstschutz), eine Packung Taschentücher, Pfefferminzpastillen, ein Handy sowie diverse andere Dinge, die leider meine Phantasie übersteigen.
(Aus Robert Rescue: „Eimerduschen- Ein Opfer packt aus“)

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Ich bleibe am Regal mit den Büchsen-Sixpacks stehen

Zum Glück Robert Rescue - periplaneta

Ich bleibe am Regal mit den Büchsen-Sixpacks stehen und studiere die Preise. Fast 25 Kronen für ein Sixpack, das sind etwa 2,98 Euro. Im ALDI kostet ein Sixpack ohne Pfand 1,69 Euro. Da scheint mir diese Sorte doch ein Schnäppchen zu sein, vermutlich das norwegische Sternburg oder Pilsator. Ist zwar immer noch teurer als gewohnt, aber damit kann ich noch leben. An der Kasse dann der Schock. Der gelistete Preis galt nicht für das Sixpack als Gebinde, sondern für eine einzelne Dose! Somit kostet der Biergenuss etwa 150 Kronen, was ungefähr 18 Euro entspricht. Für die Summe könnte ich mich in Berlin so betrinken, dass ich mir am Mini-Kaufhaus in der Malplaquetstraße eine halbe Stunde lang die Auslage anschaue und überlege, mir den 70iger-Jahre-Kamelhocker für 25 Euro zu kaufen.
Hinzu kommt, dass sich der Kassierer um 700 Kronen verrechnet hat, was mir als Norwegen Unkundiger wohl nicht aufgefallen wäre.
„Wir sind bei den Wikingern“, sagt Julia draußen auf dem Parkplatz, „die haben Jahrhunderte Erfahrung, Leute auszunehmen.“

(Aus: Robert Rescue „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“)

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Norwegen deckt seinen Energiebedarf zum großen Teil aus Wasserkraftwerken

Robert Rescue _ Mundwerk Spoken Word Gala

Es gibt keine Atomkraftwerke und nur ein einziges Kohlekraftwerk. Die meisten Gebäude werden mit Strom beheizt, aber die Endverbraucherpreise sind, im Vergleich zum Rest Europas, niedrig. Vielerorts ist es üblich, das Licht brennen zu lassen, auch wenn Räume über Stunden oder Tage nicht genutzt werden. In manchen öffentlichen Gebäuden soll es nicht einmal Lichtschalter geben. Vermutlich gehört das Gebäude gegenüber dazu. Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass Julia offenbar diese laxe Haltung übernommen hat. Wenn sie bei mir übernachtet, lässt sie im Bad und Flur das Licht an. Ich beschwere mich darüber längst nicht mehr, aber ich laufe hinter ihr her und regele das.

(Aus: Robert Rescue „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“)

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Das Display im Jobcenter …

Robert Rescue - Die ganze Wahrheit -

Das Display im Jobcenter zeigte meine Nummer an. Begleitet von den neidischen Blicken derer, die nach mir dran sein würden, verließ ich das Wartezimmer, ging rüber zu Zimmer 422 und trat ein. Geschockt blieb ich stehen! Mir gegenüber saß Silke. Silke, mit der ich vor einigen Jahren mal zusammen gewesen war und die ich von einem Tag auf den anderen wegen einer anderen verlassen hatte. Ich hatte ihr keine Gründe genannt oder später wieder Kontakt gesucht. Ich hatte sie so verlassen, wie alle Männer vor mir es getan hatten. Ich hatte gedacht, dass das okay sei für sie, schließlich war sie daran gewöhnt.

Aus: Robert Rescue „Arbeitslos melden“ (Schindluder & Moralapostel)

Jeden ersten Montag: www.visionundwahn.de

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Wenn ein Autor ein neues Buch veröffentlicht …

Zum Glück Robert Rescue 01

Wenn ein Autor ein neues Buch veröffentlicht, dann geht er davon aus, dass die Welt auf dieses Buch gewartet hat. Oder anders gesagt: Er packt für eine Lesung fünf Exemplare ein und denkt dann, dass er wahrscheinlich acht verkaufen wird, weshalb er noch fünf Stück dazu legt. 20 Exemplare hatte ich eingesteckt und eine Stimme in mir sagte, dass das übertrieben sei, während eine andere Stimme glaubte, dass sich im Servicecenter keine Kunden der Krankenkasse aufhalten werden, sondern 60 bis 100 Besucher des Literaturprojektes. Als ich schließlich im Wartebereich des Servicecenters meine Texte auspackte, ließ ich die Bücher im Rucksack. Sechs Leute saßen auf den Metallstühlen und mit ziemlicher Sicherheit warteten sie nicht auf mich.

(Aus: Robert Rescue „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“)

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… Manfred Barbe beschäftigte sich die meiste Zeit …

Robert Rescue - periplaneta berlin

… Manfred Barbe beschäftigte sich die meiste Zeit mit einer Art Wissenschaft, die er „Alternative Geschichtsdarstellung“ nannte. Dabei handelte es sich um die Erforschung von historischen Ereignissen in Berlin, die keine öffentliche Beachtung erfahren hatten.  Wurde Barbe auf ein solches Ereignis aufmerksam, so zückte er am Ort des Geschehens eine Spraydose, um eine überdimensionale Botschaft zu hinterlassen. Darin ähnelte er dem sogenannten „Sechsenmaler“, der an Hauswänden, an den Rückseiten von Verkehrsschildern, alten, auf Bürgersteigen stehenden Kühlschränken und Möbeln Sechsen und gelegentlich auch eine Sieben aufmalte. Bei diesem handelte es sich lediglich um Kunst, bei Barbe hingegen mussten seine gesprühten Sätze historisch einwandfrei sein. Wie beispielsweise die Aussage über einem Pissoir im Berliner Ensemble: „Hier hat schon Bertold Brecht uriniert“, oder als er eines Nachts auf eine Landebahn des Flughafens Tegel in großer Schrift gesprayt hatte: „Hier sind folgende große Politiker gelandet: …“ dazu hatte er die Namen von insgesamt zwölf Staatsmännern aufgesprüht, bevor er entdeckt wurde und fliehen musste.
(Aus: Robert Rescue „Der Intimitätendieb“)

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Der Räuber lässt den Gegenstand sinken …

Robert Rescue - periplaneta -

Der Räuber lässt den Gegenstand sinken und fängt plötzlich an zu weinen. „Warum machst du es mir so schwierig? Sonst ist es doch kein Problem. Alle heben Geld ab, nur du nicht. Alle haben eine PIN-Nummer, entweder im Kopf oder auf einem Zettel. Nur du hast keine Nummer! Du machst Probleme, warum nur?“
„Tut mir leid“, sage ich instinktiv und schaue betreten zu Boden. Dann habe ich eine Idee. Ich greife nach meiner Brieftasche und hole einen 20-Euro-Schein heraus. „Hier“, sage ich zu meinem Gegenüber. „Nimm das als Ausgleich. Wegen deiner Mühen.“

(Aus Robert Rescue: „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“)

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Drei Monate später hatte ich Geburtstag …

Zum Glück Robert Rescue - periplaneta

Drei Monate später hatte ich Geburtstag und veranstaltete eine Party. Susanne war auch dabei, und obwohl ich Geschenke nicht mag, überreichte sie mir eine Rose sowie eine Grußkarte in einem Briefumschlag. Über die Rose freute ich mich so, wie sich Männer über Blumen freuen und den Umschlag legte ich mit dem Hinweis weg, ich wolle die Karte später in Ruhe lesen. Am nächsten Tag öffnete ich den Brief, nahm die Grußkarte heraus und zerriss den Umschlag in sehr kleine Stücke. Kurze Zeit später klingelte das Telefon.
„Ich war mir nicht ganz sicher, ob du am Dienstag Zeit hast?“, sagte Susanne nach der Begrüßung.
„Jaaaa …“, antwortete ich zögerlich und war ratlos, was sie meinte. Waren wir verabredet?
„Na prima, dann steht unserem Theaterbesuch ja nichts im Wege. Die Karte hast du ja bestimmt entdeckt, oder?“
„Ja, die habe ich hier vor mir liegen“, log ich und blickte zum Boden, wo der zerrissene Umschlag lag.

(Aus: Robert Rescue „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“)

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