Das Display im Jobcenter …

Robert Rescue - Die ganze Wahrheit -

Das Display im Jobcenter zeigte meine Nummer an. Begleitet von den neidischen Blicken derer, die nach mir dran sein würden, verließ ich das Wartezimmer, ging rüber zu Zimmer 422 und trat ein. Geschockt blieb ich stehen! Mir gegenüber saß Silke. Silke, mit der ich vor einigen Jahren mal zusammen gewesen war und die ich von einem Tag auf den anderen wegen einer anderen verlassen hatte. Ich hatte ihr keine Gründe genannt oder später wieder Kontakt gesucht. Ich hatte sie so verlassen, wie alle Männer vor mir es getan hatten. Ich hatte gedacht, dass das okay sei für sie, schließlich war sie daran gewöhnt.

Aus: Robert Rescue „Arbeitslos melden“ (Schindluder & Moralapostel)

Jeden ersten Montag: www.visionundwahn.de

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Ich achte stets streng darauf, dass …

Robert Rescue - periplaneta -

Ich achte stets streng darauf, dass sich in der Umgebung des Hauses, in dem ich wohne, nichts Außergewöhnliches, somit Verdächtiges tut und wenn doch, dann gehe ich dem sofort nach. Als ich vor einigen Tagen nachts nach Hause kam, stand vor dem Haus ein PKW, in dem eine, offensichtlich wartende Person saß. Was hat das zu bedeuten?, fragte ich mich sogleich und lenkte meine Schritte zu dem Fahrzeug.
„Kann ich Ihnen helfen?“
„Nein … nein, danke. Ich warte auf meinen Kollegen. Der hat da in der Hausnummer 101 einen Auftrag zu erledigen.“
„Einen Auftrag zu erledigen? Morgens um 3 Uhr? Wie Rohrverleger der Berliner Wasserbetriebe sehen Sie mir nicht aus.“
„Nee, sind wir auch nicht. Wir sind Auftragskiller, Bert und ich. Bert macht gerade seine Arbeit und ich sehe zu, dass ihn dabei niemand stört.“
(Aus Robert Rescue: „Eimerduschen- Ein Opfer packt aus“)

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… Manfred Barbe beschäftigte sich die meiste Zeit …

Robert Rescue - periplaneta berlin

… Manfred Barbe beschäftigte sich die meiste Zeit mit einer Art Wissenschaft, die er „Alternative Geschichtsdarstellung“ nannte. Dabei handelte es sich um die Erforschung von historischen Ereignissen in Berlin, die keine öffentliche Beachtung erfahren hatten.  Wurde Barbe auf ein solches Ereignis aufmerksam, so zückte er am Ort des Geschehens eine Spraydose, um eine überdimensionale Botschaft zu hinterlassen. Darin ähnelte er dem sogenannten „Sechsenmaler“, der an Hauswänden, an den Rückseiten von Verkehrsschildern, alten, auf Bürgersteigen stehenden Kühlschränken und Möbeln Sechsen und gelegentlich auch eine Sieben aufmalte. Bei diesem handelte es sich lediglich um Kunst, bei Barbe hingegen mussten seine gesprühten Sätze historisch einwandfrei sein. Wie beispielsweise die Aussage über einem Pissoir im Berliner Ensemble: „Hier hat schon Bertold Brecht uriniert“, oder als er eines Nachts auf eine Landebahn des Flughafens Tegel in großer Schrift gesprayt hatte: „Hier sind folgende große Politiker gelandet: …“ dazu hatte er die Namen von insgesamt zwölf Staatsmännern aufgesprüht, bevor er entdeckt wurde und fliehen musste.
(Aus: Robert Rescue „Der Intimitätendieb“)

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„O-Ton Ute“ war meine erste Lesebühne.

Robert Rescue - Die ganze Wahrheit -

„O-Ton Ute“ war meine erste Lesebühne.
„O-Ton Ute – die vielleicht spannendste Lesebühne Berlin“’ (Zitat der TAZ), die eine unglaubliche Bühnenshow mit dem biederen Charme des Vorlesens verband.
Für die unglaubliche Bühnenshow waren andere verantwortlich, für den biederen Charme ich.“

Aus: Robert Rescue „Ich war dann einfach irgendjemand“ (Schindluder & Moralapostel)

Montag, 06.06. 2016, ab 20 Uhr im Periplaneta Literaturcafé Berlin:  Lesebühne Vision und Wahn

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Abends im Bett las ich dann ein Buch …

Zum Glück Robert Rescue - periplaneta

Abends im Bett las ich dann ein Buch über das TCP/IP-Protokoll oder die neuesten Tuning-Tipps, während sich Nina milde von einem Gaslicht-Roman ängstigen ließ oder den Eiffelturm nachschnitzte. Ich hatte es mir inzwischen abgewöhnt, sie in diesem Fall auf die Späne aufmerksam zu machen, die sie stets im Bett beließ und die mir später beim Sex in den Rücken pieksten. Nina wurde dann nämlich immer zickig, hielt mir das Schnitzmesser an die Kehle und fragte, ob ich damit ein Problem habe. Selbstverständlich verneinte ich dies immer und ärgerte mich, dass die Festplatte nie griffbereit neben dem Bett lag, um ihr die nötigenfalls über den Schädel zu ziehen.

(Aus Robert Rescue: „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“)

Montag, 02.05. 2016, ab 20 Uhr im Periplaneta Literaturcafé Berlin:  Lesebühne Vision und Wahn

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Ich habe schon eine Menge Dozenten kennengelernt.

Robert Rescue auf der Couch

Ich habe schon eine Menge Dozenten kennengelernt. Arschlöcher und nette Menschen, langweilige und kreative, erfahrene und unerfahrene. Auf Frau Doktor Haase passen eher die positiven Eigenschaften, aber sie bringt noch ein paar Merkmale mit, die ich in der Kombination noch nicht erlebt habe. Die über 50-jährige kommt aus dem Osten, was sie immer wieder in ihre Erzählungen einfließen lässt. Ausschweifend berichtet sie von ihrer beruflichen Laufbahn als Ökonomin in der DDR. Manches Mal habe ich gar den Eindruck, sie habe noch gar nicht rüber gemacht. Und wenn sie von ihren Weiterbildungen der letzten 20 Jahre er zählt, hört man von ihr oft so Aussagen wie: „Das hat mich damals 700 Mark gekostet.“ Ich glaube fast, dass sie von der Euroumstellung ebenfalls nichts mitbekommen hat.

(Aus: Robert Rescue „Eimerduschen- Ein Opfer packt aus“)

Montag, 04.04. 2016, ab 20 Uhr im Periplaneta Literaturcafé Berlin:  Lesebühne Vision und Wahn

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Drei Monate später hatte ich Geburtstag …

Zum Glück Robert Rescue - periplaneta

Drei Monate später hatte ich Geburtstag und veranstaltete eine Party. Susanne war auch dabei, und obwohl ich Geschenke nicht mag, überreichte sie mir eine Rose sowie eine Grußkarte in einem Briefumschlag. Über die Rose freute ich mich so, wie sich Männer über Blumen freuen und den Umschlag legte ich mit dem Hinweis weg, ich wolle die Karte später in Ruhe lesen. Am nächsten Tag öffnete ich den Brief, nahm die Grußkarte heraus und zerriss den Umschlag in sehr kleine Stücke. Kurze Zeit später klingelte das Telefon.
„Ich war mir nicht ganz sicher, ob du am Dienstag Zeit hast?“, sagte Susanne nach der Begrüßung.
„Jaaaa …“, antwortete ich zögerlich und war ratlos, was sie meinte. Waren wir verabredet?
„Na prima, dann steht unserem Theaterbesuch ja nichts im Wege. Die Karte hast du ja bestimmt entdeckt, oder?“
„Ja, die habe ich hier vor mir liegen“, log ich und blickte zum Boden, wo der zerrissene Umschlag lag.

(Aus: Robert Rescue „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“)

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Der Menüpunkt „Events“ ist mit einem Google-Kalender verlinkt.

Zum Glück Robert Rescue periplaneta

Der Menüpunkt „Events“ ist mit einem Google-Kalender verlinkt. Dort lese ich, dass sie dienstags um 15:30 Uhr ihrem missionarischen Eifer in Form des „LEO-Outreach“ nachgehen. Die Beschreibung des Events liest sich so: „Streetwork am Leopoldplatz. Ein Team von 2-6 Leuten geht für ca. 2 Stunden mit Kaffee & Kuchen zur Drogenszene am Leo und bringt ein Stück Wärme, Liebe und die gute Nachricht in Tat und Wort zu den Drogenabhängigen.“
Aha. Die Christengemeinde weiß hoffentlich, dass sie sich da ein hartes Pflaster ausgesucht hat. … Ja, wissen sie, denn eine Stunde vorher treffen sie sich zum vorbereitenden Gebet im Laden. Der Termin steht für die nächsten Monate im Kalender und lässt sich zurückverfolgen bis zum Mai 2010. Karl der Große brauchte etwa 32 Jahre, um die heidnischen Sachsen zu missionieren und es ist gut möglich, dass die Christengemeinde ebenso lange brauchen wird, bis sie den Leopoldplatz bekehrt hat.

(Aus: Robert Rescue „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“)

Montag, 07.03. 2016, ab 20 Uhr im Periplaneta Literaturcafé Berlin:  Lesebühne Vision und Wahn

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Als ich vor einigen Jahren den „Club der Verdammten“ …

Eimerduschen - Robert Rescue - periplaneta

Als ich vor einigen Jahren den „Club der Verdammten“, eine abstruse Bewerbungsunterlagen–Optimierungsmaßnahme in Kreuzberg besuchte, wusste ich danach, dass ich längst schon alles hätte tun sollen, um nicht vom Jobcenter erneut zu so etwas – sage ich es mal freundlich – „eingeladen“ zu werden. Dass ich alles Erdenkliche hätte tun sollen, um nie wieder so etwas Schreckliches zu erleben, daran muss ich denken, als ich den Brief vom Jobcenter in den Händen halte, der mich zu einer weiteren Coachingveranstaltung auffordert. Da habe ich es wohl verpasst, mir einen Job zu suchen, geht es mir durch den Sinn. Oder ich hätte meine bescheidenen Einkünfte als Autor aufdecken sollen, um fortan als „HartzIVAufstocker“ mein Dasein zu fristen. Oder ich hätte als Autor weltberühmt werden sollen. Sterben wäre auch eine gute Möglichkeit gewesen.
(Aus: Robert Rescue „Eimerduschen- Ein Opfer packt aus“)

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Neulich lud mich mein Freund Hannes zum Blumenkohlauflauf ein.

Robert Rescue - periplaneta

Neulich lud mich mein Freund Hannes zum Blumenkohlauflauf ein. Einen Auflauf zuzubereiten, darin ist er ein Meister. Doch nicht nur das Kochen beherrscht er meisterhaft. Hannes ist von Beruf Auftragsmörder und er gilt als einer der besten weltweit. Ich schmatzte ob des wunderbaren Essens und betrachtete dabei wie so oft die Wände des Wohnzimmers. Hannes hat die Angewohnheit, dort seine Werkzeuge aufzuhängen, etwa Messer, Pistolen, Gurte oder dieses merkwürdige Gehänge, das er als „Genickbrechvorrichtung“ sogar zum Patent angemeldet hatte. Wie so oft bei der Betrachtung seines Arsenals fiel mir auch jetzt jene Schwarz-Weiß-Aufnahme auf und wie jedes Mal fragte ich mich, was dieses Bild dort zu suchen hatte.
„Sag mal, Hannes, dieses gerahmte Foto dort. Was soll das eigentlich bedeuten?“
Hannes schaute zu der Fotografie und ließ sich mit der Antwort ein paar Sekunden Zeit. „Da habe ich meine Frau vergraben“, sagte er dann und fuhr gleich fort. „Das war Weihnachten 2004. Ich hatte ihr vorgeschlagen, in den Wald zu fahren. Weil sie die Axt – die hängt übrigens neben dem Foto – misstrauisch machte, meinte ich, einen Baum zu schlagen, sei doch viel authentischer als einen in diesen mit Drahtzäunen abgetrennten Arealen zu kaufen, mit Geld zahlen und so.“
„Und?“
„Ich bin dann doch noch zum Markt gefahren.“
(Aus Robert Rescue: „Eimerduschen- Ein Opfer packt aus“)

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