Norwegen deckt seinen Energiebedarf zum großen Teil aus Wasserkraftwerken

Robert Rescue _ Mundwerk Spoken Word Gala

Es gibt keine Atomkraftwerke und nur ein einziges Kohlekraftwerk. Die meisten Gebäude werden mit Strom beheizt, aber die Endverbraucherpreise sind, im Vergleich zum Rest Europas, niedrig. Vielerorts ist es üblich, das Licht brennen zu lassen, auch wenn Räume über Stunden oder Tage nicht genutzt werden. In manchen öffentlichen Gebäuden soll es nicht einmal Lichtschalter geben. Vermutlich gehört das Gebäude gegenüber dazu. Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass Julia offenbar diese laxe Haltung übernommen hat. Wenn sie bei mir übernachtet, lässt sie im Bad und Flur das Licht an. Ich beschwere mich darüber längst nicht mehr, aber ich laufe hinter ihr her und regele das.

(Aus: Robert Rescue „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“)

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Das Display im Jobcenter …

Robert Rescue - Die ganze Wahrheit -

Das Display im Jobcenter zeigte meine Nummer an. Begleitet von den neidischen Blicken derer, die nach mir dran sein würden, verließ ich das Wartezimmer, ging rüber zu Zimmer 422 und trat ein. Geschockt blieb ich stehen! Mir gegenüber saß Silke. Silke, mit der ich vor einigen Jahren mal zusammen gewesen war und die ich von einem Tag auf den anderen wegen einer anderen verlassen hatte. Ich hatte ihr keine Gründe genannt oder später wieder Kontakt gesucht. Ich hatte sie so verlassen, wie alle Männer vor mir es getan hatten. Ich hatte gedacht, dass das okay sei für sie, schließlich war sie daran gewöhnt.

Aus: Robert Rescue „Arbeitslos melden“ (Schindluder & Moralapostel)

Jeden ersten Montag: www.visionundwahn.de

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LKW umgekippt

Ab und an packt mich die Neugier, herauszufinden, was in meiner Heimatstadt und den Dörfern ringsum so los ist. Wenn ich dann auf den Blog Nassau aktuell gehe, ist das Interesse schnell verflogen. Die Artikel wirken auf einen Großstädter, der täglich mit Polizeisirenen, Amokläufen und Verrückten in Haus und Hof konfrontiert ist, banal und zeigen den gewaltigen Unterschied in der Wahrnehmung von Geschehnissen zwischen Orten, wo einmal am Tag ein Hund bellt und Städten, wo bereits das Überqueren der Straße den Tod bedeuten kann.

Nehme ich als Beispiel mal die Ortschaft Becheln. Dort ereignete sich vor kurzem ein Scheunenbrand. Becheln, allein der Name des Ortes lässt einen glauben, das dort selten überhaupt etwas geschieht. Becheln mag von Bach kommen, vielleicht kleiner Bach, kleiner als ein Bach, ein Rinnsal. Als letztes Großereignis ist der Bau eines römischen Kastells vermerkt, gefolgt vermutlich vom erwähnten Scheunenbrand. Becheln hat nicht einmal einen Wikipedia … doch haben sie. Es gibt einen Männergesangsverein, indem vermutlich alle 669 Einwohner, nun ja, „aktiv“ sind. Weiterhin gibt es einen Fußballverein, den „SV Becheln“. Wer in Becheln geboren wird, spielt entweder sein Leben lang Fußball oder wandert aus. Wer sich mit beidem nicht anfreunden kann, geht in den Wald und sucht sich einen Baum. Der SV Becheln hat eine Homepage. Diese hat, seit Einführung des Internets, 804 Besucher gehabt. Sie hätten den Zähler weglassen sollen, er ruft bei jedem Besucher das deprimierende Gefühl hervor, sich beim ziellosen Surfen in die allerletzte Ecke des Internets verirrt zu haben. Wie ich lese, waren bei dem Brand 70 Feuerwehrleute aus der Region im Einsatz. Nicht verwunderlich, dass alle freiwilligen Feuerwehren ausrücken, wenn es irgendwo mal was zu tun gibt. Vielleicht wurde der Brand von der Feuerwehr Becheln gelegt, damit die ganzen Gerätschaften nicht vor sich hin rosten. Endlich mal was los, ruft es des Nachts von Becheln aus in die tiefschwarzen Wälder der Umgebung.
Der Wechsel des Wehrführers einer Feuerwehr ist dem Blog immer eine Schlagzeile wert, denn eine solche Personalie geschieht nur alle hundert Jahre. Wer Wehrführer wird, übernimmt das Amt für den Rest seines Lebens. Am Ende, wenn der amtierende Wehrführer dem Tode nahe ist, fahren alle Feuerwehrmänner nach Nassau, wo der Bürgermeister im Rahmen einer „Feierstunde“ ein „Präsent“ überreicht und der senile Wehrführer anschließend tot zu Boden sinkt. Dann wird ein neuer Anführer ernannt, die Dörfler verlassen flugs die Großstadt (4500 Einwohner) und zuhause wird eine Kirmes gefeiert und anschließend etwas angezündet und gelöscht.

Neulich ist in Obernhof ein LKW umgekippt. Einfach so, am frühen Morgen. Die Straße, und Obernhof hat nur eine Straße, musste gesperrt werden. Damit war der Ort für zwei Stunden von der Außenwelt abgeschnitten. Mehr ist nicht passiert. Die Feuerwehren, vermutlich auch die aus Becheln, haben den Wagen wieder aufgestellt, der Fahrer hat sich hinters Steuer gesetzt und ist weitergefahren. Zu meiner Zeit, das ist mehr als zwanzig Jahre her, ist einmal ein LKW kurz hinter Singhofen in Richtung Nassau umgekippt. Die Straße führt einen Berg hinab und der Wagen verlor seine Fracht, irgendetwas Butterähnliches. Bei 30 Grad Hitze lief das Zeug blubbernd die Straße hinab, bis es das 3 Kilometer entfernte Nassau erreicht hatte. Mehrere Tage brauchten die Einsatzkräfte, um die Straße zu säubern und die Dörfler oben wussten nicht, wie sie den Berg hoch oder runter kommen sollten.
Seit den Meldungen mit dem Hausbrand und dem umgekippten LKW ist der Blog nicht mehr aktualisiert worden. Entweder hat der Betreiber keine Lust mehr oder aber, und das halte ich für am wahrscheinlichsten, dort passiert nichts mehr. Rein gar nichts mehr.

Ich achte stets streng darauf, dass …

Robert Rescue - periplaneta -

Ich achte stets streng darauf, dass sich in der Umgebung des Hauses, in dem ich wohne, nichts Außergewöhnliches, somit Verdächtiges tut und wenn doch, dann gehe ich dem sofort nach. Als ich vor einigen Tagen nachts nach Hause kam, stand vor dem Haus ein PKW, in dem eine, offensichtlich wartende Person saß. Was hat das zu bedeuten?, fragte ich mich sogleich und lenkte meine Schritte zu dem Fahrzeug.
„Kann ich Ihnen helfen?“
„Nein … nein, danke. Ich warte auf meinen Kollegen. Der hat da in der Hausnummer 101 einen Auftrag zu erledigen.“
„Einen Auftrag zu erledigen? Morgens um 3 Uhr? Wie Rohrverleger der Berliner Wasserbetriebe sehen Sie mir nicht aus.“
„Nee, sind wir auch nicht. Wir sind Auftragskiller, Bert und ich. Bert macht gerade seine Arbeit und ich sehe zu, dass ihn dabei niemand stört.“
(Aus Robert Rescue: „Eimerduschen- Ein Opfer packt aus“)

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Wenn ein Autor ein neues Buch veröffentlicht …

Zum Glück Robert Rescue 01

Wenn ein Autor ein neues Buch veröffentlicht, dann geht er davon aus, dass die Welt auf dieses Buch gewartet hat. Oder anders gesagt: Er packt für eine Lesung fünf Exemplare ein und denkt dann, dass er wahrscheinlich acht verkaufen wird, weshalb er noch fünf Stück dazu legt. 20 Exemplare hatte ich eingesteckt und eine Stimme in mir sagte, dass das übertrieben sei, während eine andere Stimme glaubte, dass sich im Servicecenter keine Kunden der Krankenkasse aufhalten werden, sondern 60 bis 100 Besucher des Literaturprojektes. Als ich schließlich im Wartebereich des Servicecenters meine Texte auspackte, ließ ich die Bücher im Rucksack. Sechs Leute saßen auf den Metallstühlen und mit ziemlicher Sicherheit warteten sie nicht auf mich.

(Aus: Robert Rescue „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“)

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… Manfred Barbe beschäftigte sich die meiste Zeit …

Robert Rescue - periplaneta berlin

… Manfred Barbe beschäftigte sich die meiste Zeit mit einer Art Wissenschaft, die er „Alternative Geschichtsdarstellung“ nannte. Dabei handelte es sich um die Erforschung von historischen Ereignissen in Berlin, die keine öffentliche Beachtung erfahren hatten.  Wurde Barbe auf ein solches Ereignis aufmerksam, so zückte er am Ort des Geschehens eine Spraydose, um eine überdimensionale Botschaft zu hinterlassen. Darin ähnelte er dem sogenannten „Sechsenmaler“, der an Hauswänden, an den Rückseiten von Verkehrsschildern, alten, auf Bürgersteigen stehenden Kühlschränken und Möbeln Sechsen und gelegentlich auch eine Sieben aufmalte. Bei diesem handelte es sich lediglich um Kunst, bei Barbe hingegen mussten seine gesprühten Sätze historisch einwandfrei sein. Wie beispielsweise die Aussage über einem Pissoir im Berliner Ensemble: „Hier hat schon Bertold Brecht uriniert“, oder als er eines Nachts auf eine Landebahn des Flughafens Tegel in großer Schrift gesprayt hatte: „Hier sind folgende große Politiker gelandet: …“ dazu hatte er die Namen von insgesamt zwölf Staatsmännern aufgesprüht, bevor er entdeckt wurde und fliehen musste.
(Aus: Robert Rescue „Der Intimitätendieb“)

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Der Räuber lässt den Gegenstand sinken …

Robert Rescue - periplaneta -

Der Räuber lässt den Gegenstand sinken und fängt plötzlich an zu weinen. „Warum machst du es mir so schwierig? Sonst ist es doch kein Problem. Alle heben Geld ab, nur du nicht. Alle haben eine PIN-Nummer, entweder im Kopf oder auf einem Zettel. Nur du hast keine Nummer! Du machst Probleme, warum nur?“
„Tut mir leid“, sage ich instinktiv und schaue betreten zu Boden. Dann habe ich eine Idee. Ich greife nach meiner Brieftasche und hole einen 20-Euro-Schein heraus. „Hier“, sage ich zu meinem Gegenüber. „Nimm das als Ausgleich. Wegen deiner Mühen.“

(Aus Robert Rescue: „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“)

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„O-Ton Ute“ war meine erste Lesebühne.

Robert Rescue - Die ganze Wahrheit -

„O-Ton Ute“ war meine erste Lesebühne.
„O-Ton Ute – die vielleicht spannendste Lesebühne Berlin“’ (Zitat der TAZ), die eine unglaubliche Bühnenshow mit dem biederen Charme des Vorlesens verband.
Für die unglaubliche Bühnenshow waren andere verantwortlich, für den biederen Charme ich.“

Aus: Robert Rescue „Ich war dann einfach irgendjemand“ (Schindluder & Moralapostel)

Montag, 06.06. 2016, ab 20 Uhr im Periplaneta Literaturcafé Berlin:  Lesebühne Vision und Wahn

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Abends im Bett las ich dann ein Buch …

Zum Glück Robert Rescue - periplaneta

Abends im Bett las ich dann ein Buch über das TCP/IP-Protokoll oder die neuesten Tuning-Tipps, während sich Nina milde von einem Gaslicht-Roman ängstigen ließ oder den Eiffelturm nachschnitzte. Ich hatte es mir inzwischen abgewöhnt, sie in diesem Fall auf die Späne aufmerksam zu machen, die sie stets im Bett beließ und die mir später beim Sex in den Rücken pieksten. Nina wurde dann nämlich immer zickig, hielt mir das Schnitzmesser an die Kehle und fragte, ob ich damit ein Problem habe. Selbstverständlich verneinte ich dies immer und ärgerte mich, dass die Festplatte nie griffbereit neben dem Bett lag, um ihr die nötigenfalls über den Schädel zu ziehen.

(Aus Robert Rescue: „Zum Glück hab ich wenigstens Pech“)

Montag, 02.05. 2016, ab 20 Uhr im Periplaneta Literaturcafé Berlin:  Lesebühne Vision und Wahn

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Ich habe schon eine Menge Dozenten kennengelernt.

Robert Rescue auf der Couch

Ich habe schon eine Menge Dozenten kennengelernt. Arschlöcher und nette Menschen, langweilige und kreative, erfahrene und unerfahrene. Auf Frau Doktor Haase passen eher die positiven Eigenschaften, aber sie bringt noch ein paar Merkmale mit, die ich in der Kombination noch nicht erlebt habe. Die über 50-jährige kommt aus dem Osten, was sie immer wieder in ihre Erzählungen einfließen lässt. Ausschweifend berichtet sie von ihrer beruflichen Laufbahn als Ökonomin in der DDR. Manches Mal habe ich gar den Eindruck, sie habe noch gar nicht rüber gemacht. Und wenn sie von ihren Weiterbildungen der letzten 20 Jahre er zählt, hört man von ihr oft so Aussagen wie: „Das hat mich damals 700 Mark gekostet.“ Ich glaube fast, dass sie von der Euroumstellung ebenfalls nichts mitbekommen hat.

(Aus: Robert Rescue „Eimerduschen- Ein Opfer packt aus“)

Montag, 04.04. 2016, ab 20 Uhr im Periplaneta Literaturcafé Berlin:  Lesebühne Vision und Wahn

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