LKW umgekippt

Ab und an packt mich die Neugier, herauszufinden, was in meiner Heimatstadt und den Dörfern ringsum so los ist. Wenn ich dann auf den Blog Nassau aktuell gehe, ist das Interesse schnell verflogen. Die Artikel wirken auf einen Großstädter, der täglich mit Polizeisirenen, Amokläufen und Verrückten in Haus und Hof konfrontiert ist, banal und zeigen den gewaltigen Unterschied in der Wahrnehmung von Geschehnissen zwischen Orten, wo einmal am Tag ein Hund bellt und Städten, wo bereits das Überqueren der Straße den Tod bedeuten kann.

Nehme ich als Beispiel mal die Ortschaft Becheln. Dort ereignete sich vor kurzem ein Scheunenbrand. Becheln, allein der Name des Ortes lässt einen glauben, das dort selten überhaupt etwas geschieht. Becheln mag von Bach kommen, vielleicht kleiner Bach, kleiner als ein Bach, ein Rinnsal. Als letztes Großereignis ist der Bau eines römischen Kastells vermerkt, gefolgt vermutlich vom erwähnten Scheunenbrand. Becheln hat nicht einmal einen Wikipedia … doch haben sie. Es gibt einen Männergesangsverein, indem vermutlich alle 669 Einwohner, nun ja, „aktiv“ sind. Weiterhin gibt es einen Fußballverein, den „SV Becheln“. Wer in Becheln geboren wird, spielt entweder sein Leben lang Fußball oder wandert aus. Wer sich mit beidem nicht anfreunden kann, geht in den Wald und sucht sich einen Baum. Der SV Becheln hat eine Homepage. Diese hat, seit Einführung des Internets, 804 Besucher gehabt. Sie hätten den Zähler weglassen sollen, er ruft bei jedem Besucher das deprimierende Gefühl hervor, sich beim ziellosen Surfen in die allerletzte Ecke des Internets verirrt zu haben. Wie ich lese, waren bei dem Brand 70 Feuerwehrleute aus der Region im Einsatz. Nicht verwunderlich, dass alle freiwilligen Feuerwehren ausrücken, wenn es irgendwo mal was zu tun gibt. Vielleicht wurde der Brand von der Feuerwehr Becheln gelegt, damit die ganzen Gerätschaften nicht vor sich hin rosten. Endlich mal was los, ruft es des Nachts von Becheln aus in die tiefschwarzen Wälder der Umgebung.
Der Wechsel des Wehrführers einer Feuerwehr ist dem Blog immer eine Schlagzeile wert, denn eine solche Personalie geschieht nur alle hundert Jahre. Wer Wehrführer wird, übernimmt das Amt für den Rest seines Lebens. Am Ende, wenn der amtierende Wehrführer dem Tode nahe ist, fahren alle Feuerwehrmänner nach Nassau, wo der Bürgermeister im Rahmen einer „Feierstunde“ ein „Präsent“ überreicht und der senile Wehrführer anschließend tot zu Boden sinkt. Dann wird ein neuer Anführer ernannt, die Dörfler verlassen flugs die Großstadt (4500 Einwohner) und zuhause wird eine Kirmes gefeiert und anschließend etwas angezündet und gelöscht.

Neulich ist in Obernhof ein LKW umgekippt. Einfach so, am frühen Morgen. Die Straße, und Obernhof hat nur eine Straße, musste gesperrt werden. Damit war der Ort für zwei Stunden von der Außenwelt abgeschnitten. Mehr ist nicht passiert. Die Feuerwehren, vermutlich auch die aus Becheln, haben den Wagen wieder aufgestellt, der Fahrer hat sich hinters Steuer gesetzt und ist weitergefahren. Zu meiner Zeit, das ist mehr als zwanzig Jahre her, ist einmal ein LKW kurz hinter Singhofen in Richtung Nassau umgekippt. Die Straße führt einen Berg hinab und der Wagen verlor seine Fracht, irgendetwas Butterähnliches. Bei 30 Grad Hitze lief das Zeug blubbernd die Straße hinab, bis es das 3 Kilometer entfernte Nassau erreicht hatte. Mehrere Tage brauchten die Einsatzkräfte, um die Straße zu säubern und die Dörfler oben wussten nicht, wie sie den Berg hoch oder runter kommen sollten.
Seit den Meldungen mit dem Hausbrand und dem umgekippten LKW ist der Blog nicht mehr aktualisiert worden. Entweder hat der Betreiber keine Lust mehr oder aber, und das halte ich für am wahrscheinlichsten, dort passiert nichts mehr. Rein gar nichts mehr.

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Warum?

Es ist schon eine Weile her, das ich auf der Müllerstraße flanierte und am Leopoldplatz gewohnheitsmäßig einen Blick zur Woolworth-Filiale warf, um dann erstaunt innezuhalten. Vor dem Laden standen keine Wühltische, die Türen waren verschlossen und mit Papier abgeklebt. Genau in diesem Moment traten zwei Rentnerehepaare, im Gespräch vertieft, auf den Markt zu und stießen regelrecht mit den Nasen auf die verriegelten Türen. Sie blieben ebenso schockiert wie ich stehen und dachten vermutlich das gleiche wie ich: Der Woolworth hat zugemacht! Außen an den Türen klebten Zettel mit der simplen, überraschenden und erleichternden Botschaft: Wegen Umbau geschlossen!
Ich bilde mir ein, zuvor keine Hinweise auf einen Umbau gelesen zu haben und die, in meinen Augen, plötzliche Schließung ärgerte mich aus einem bestimmten Grund. Beim letzten Einkauf war mir in der kleinen, meist nicht feinen Computerecke ein USB-betriebener Mini-Staubsauger für den Schreibtisch aufgefallen. Ich hatte nicht genügend Geld bei mir gehabt und dachte mir, dass ich ihn beim nächsten Mal kaufe, wenn ich hier in der Ecke zu tun habe. Das hatte sich also erstmal erledigt. Einige Wochen später gab es einen Hoffnungsschimmer, als ein Plakat verkündete: »Wiedereröffnung in sechs Wochen« Weiterlesen

Der Wedding hat einen Knall

Ja, es ist schon sonderbar, was die B.Z, das Pflichtblatt für Leser mit Interesse an vielen Bildern und wenig Text, da exklusiv an die Öffentlichkeit gebracht hat. An der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Wedding, genauer gesagt im Kiez rund um die Bornholmer Brücke, ist seit Monaten nachts ein Geräusch zu hören und niemand kann sagen, woher es stammt. Die Anwohner sagen, es klänge wie ein tiefes Grollen oder wie der Knall einer Explosion.
Die B.Z. lässt sich nicht lumpen und bestellt einen Toningenieur ein, der mit einer riesigen High-Tech-Akustik-Kamera das Areal scannt. Und tatsächlich hören Ingenieur und Reporter um 22:57 Uhr ein dumpfes Grollen, dessen visuelle Umsetzung auf dem Monitor der Reporter vor laufender Kamera als »ballförmiges Ding in verschiedenen Farben« beschreibt. Die erste Vermutung des Toningenieurs weist auf eine unterirdische Detonation hin.

Natürlich versucht die B.Z., eine technische Ursache für das Geräusch zu finden und fragt die umliegenden Wirtschaftsbetriebe, ob sie verantwortlich sein könnten. Die BVG erklärt, sie habe ihre Schienen in dem Gebiet untersucht und keine Auffälligkeit finden können. Eine Sprecherin von Bayer erklärt: »Wir sind allen Möglichkeiten einer Geräuschquelle auf unserem Werkgelände nachgegangen. Wir konnten allerdings keinerlei Zusammenhang feststellen.« Weiterlesen

Zu Besuch im Radio (Lethargie pur)

„Hörst du eigentlich FluxFM?“

„Ja, bis vor einer Weile. Aber nur am Wochenende, wenn meine Freundin zu Besuch ist und wir gemeinsam frühstücken. Wir streiten aber manchmal, auch so körperlich mit Tritten und Schlägen und da bin ich mal gegen das Radio gefallen. Das ist runtergefallen und seitdem hören wir Radio Paradiso.“

„Wahrscheinlich hat sich die Frequenz verstellt. Stell mal 100,6 ein.“

„Ach so? Das wusste ich nicht. Dann probiere ich das mal.“

Die Wandlung der Örtlichkeiten

Als ich den Roman »Der Intimitätendieb« vor 16 Jahren begann, habe ich verschiedene Orte, zu denen ich damals mehr oder weniger einen Bezug hatte, in die Handlung eingebaut. Wann immer ich in den letzten Jahren an dem Manuskript arbeitete, musste ich erkennen, dass ich die Bezüge fast vollständig verloren habe. Meine Erinnerung ist teilweise verblasst und meine Wahrnehmung hat sich verändert, so dass vor der Veröffentlichung eine Überprüfung anstand, ob ich mit diesen Örtlichkeiten überhaupt noch etwas anfangen kann.

preussenparkEin Beispiel dafür ist der Park, in dem sich Hakim, der Intimitätendieb und sein Kunde und Schuldner Wladimir treffen, eine Begegnung, dessen Verlauf das weitere Handeln des Intimitätendiebes maßgeblich beeinflussen wird. Irgendwann vor zehn Jahren, als ich diese Szene schrieb, kam ich aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen auf die Idee, diese Szene im Preußenpark in Wilmersdorf spielen zu lassen. Problematisch war nur, dass ich bis dahin und bis heute noch nie im Preußenpark gewesen bin. Jahrelang grübelte ich darüber, warum ich mich für diesen Park entschieden hatte. Hatte mir jemand davon erzählt und gemeint, dass er toll sei und ich ihn mal besuchen sollte? Habe ich das nicht geschafft und den unbewussten Frust darüber dadurch verarbeitet, dass ich diesen Ort für den Roman gewählt habe? Als ich 2011 wieder einmal am Manuskript arbeitete, musste ich eine Entscheidung treffen. Ich googelte den Preußenpark und schaute mir ein paar Bilder an, um sie als Ortsbeschreibung einzufügen. Eine moderne Form der Recherche, dank Google, doch irgendwie nicht lebensecht. Ich musste also dorthin fahren, durch den Park schlendern und das Gesehene auf mich einwirken lassen. Dazu aber fehlte mir die Lust. Also entschied ich mich dafür, den Schauplatz zu verlagern. Seit ein paar Jahren lebte ich im Wedding und kannte einen Park recht gut – den Schillerpark. Ich schmiss also alle Beschreibungen des Preußenparks raus und ersetzte sie durch den Schillerpark. Der Intimitätendieb betritt den Park am Eingang, der am Friedhof liegt. Er zögert, weil er sich bewusst ist, was sein Vorhaben für Konsequenzen nach sich ziehen wird. Er geht in sich, ermutigt sich und steuert die erste Bank an der linken Seite an, wo er sich mit Wladimir verabredet hat. Drei Kumpels von Wladimir stehen auf und entfernen sich ein Stück. Kurz darauf beginnt ein Gespräch:

„Ich bekomme immer etwas Schiss, wenn du anrufst. Dann muss ich daran denken, was ich dir noch schulde. Um was geht es diesmal, mein Freund?“
„Warst du schon bei dem Dönerproduzenten und hast ihm das Material gezeigt, das ich dir neulich in der temporären Kneipe gegeben habe?“, fragte Hakim zurück.
„O ja, das habe ich. Er überlegt noch, aber er wird keine Wahl haben. Dann bin ich wieder gut im Geschäft.“
„Aber nicht gut genug, um deine Schulden zu begleichen.“
„Ach, Hakim, das Schlimme an Gesprächen mit dir ist, dass du nur an das Geschäft denkst.“
„Deswegen bin ich ja auch erfolgreich, Wladimir.“

Aber der Preußenpark war nicht die einzige Baustelle. Am Ende des Buches spielt ein herrschaftliches Anwesen am Dubrowplatz in Zehlendorf eine wichtige Rolle. Dort erfährt die junge Hexe Tasha Me, wie der Mörder den Hexen auf die Schliche kommen konnte, obwohl diese in der Anonymität leben. Sie trifft auf einen alten Mann, von Beruf Rechtsanwalt und Notar, der Oberhaupt eines einstmals mächtigen Familienclans ist. Für den Dubrowplatz gilt dasselbe wie für den Preußenpark – ich bin da noch nie gewesen. Vermutlich hat mir derselbe Mensch, der mir vom Preußenpark erzählt hat auch vom Dubrowplatz berichtet und ich habe mir gedacht, gut, ich hätte gerne ein herrschaftliches Anwesen an einem Platz in Zehlendorf, dann nimm ich doch diesen. Aber gab es dort überhaupt ein herrschaftliches Anwesen?
Ich kam auf den Gedanken, Street VIEW zu nutzen, um einen besseren Einblick zu bekommen. Kurz darauf bewegte ich mich virtuell am Dubrowplatz und fand tatsächlich ein herrschaftliches Anwesen, das meinen Vorstellungen entsprach. Den dazugehörigen Carport ließ ich in die Beschreibung einfließen, um beim Leser den Eindruck zu erwecken, ich würde mich dort auskennen, doch eine Bearbeitung später schmiss ich die Stelle wieder heraus, weil sie überflüssig war.
Doch mir kamen Zweifel, ob ich mich so einfach aus der Affäre ziehen konnte. Von einem Romanautor erwartete man doch, dass er alles Beschriebene gesehen oder erlebt hat. Das wurde aber schwierig bei einem fantastischen Krimi, in dem es keinen Ich-Erzähler gibt. Zudem gab es ja noch die Ausrede der »künstlerischen Freiheit«. Der Platz ist nicht erfunden, das Anwesen auch nicht und das ich nie dort gewesen bin, merkt doch ohnehin keiner. Trotzdem, das schlechte Gewissen belastete mich. Zwei Tage vor Abgabe des Manuskriptes fuhr ich zum S-Bahnhof Mexikoplatz.
Ich lief die Dubrowstraße entlang, bis ich zum Platz gelangte. Dort schlenderte ich um den viereckigen Platz und bestaunte all die Villen.
Vor dem Haus, das ich im Buch beschrieben habe, blieb ich einen Moment stehen und stellte mir vor, dass mich in diesem Augenblick die Bewohner aus dem Fenster heraus angafften und sich fragten, was der Fremde hier zu suchen hat. Ich winkte in Richtung des Hauses, trat den Heimweg an und redete mir den ereignislosen Ausflug schön, dass ich mein schlechtes Gewissen beruhigt hatte.

Ein anderes Problem bereitete mir die Winsstraße im Prenzlauer Berg. Angesichts meiner heutigen Wahrnehmung, vor allem meiner Hassliebe zum Wedding, sollte ich von der Winsstraße Abstand nehmen und die Handlung in eine Weddinger Straße verlegen, am besten in eine, von der ich sicher sein kann, dass sich dort seit zwanzig Jahren nichts verändert hat. Ich tue es aber nicht und das hat sentimentale Gründe.
Würde ich das Buch heute beginnen, lägen vermutlich alle Örtlichkeiten im Wedding, schlimmstenfalls würde das Buch nur in meiner Wohnung spielen. In der Winsstraße hielt ich mich Ende der Neunziger Jahre oft auf. Der Roman beginnt im Schlafzimmer einer sanierten Wohnung, und zwar am Donnerstag, 12. August 1999. Nun meine ich mich zu erinnern, das Ende der Neunziger Jahre noch nicht viele Häuser in der Winsstraße saniert waren, vielleicht nur eins oder vier, vielleicht aber auch gar keins. Im Zuge der Fertigstellung des Romans fragte ich auf Facebook danach, doch die Ergebnisse waren mau. Eigentlich äußerte sich nur einer und der meinte, die nahegelegene Marienburger Straße sei noch unsaniert gewesen, aber ob das auch für die Winsstraße gelte, daran könne er sich nicht mehr erinnern. Für die Handlung ist es nicht gleichgültig, ob saniert oder nicht, und ich wäre froh drum, in dieser Angelegenheit Klarheit zu haben. Ich habe mal von Projekten gehört, wo Leute über Jahre hinweg einmal im Jahr ein Foto von der Straße, in der sie leben, aufnehmen und auf diese Weise eine Dokumentation anlegen, wie sich ihr Kiez, gerade in Zeiten der Gentrifizierung, verändert. Warum zum Teufel hat das niemand in der Winsstraße gemacht und das ganze unter http://www.meinewinsstraße.de ins Netz gestellt?

Von all diesen Überlegungen ist nur ein Ort verschont geblieben. Die Kneipe, in der Hakim die gestohlenen Intimitäten an seine Kundschaft verkauft. Die temporäre Kneipe ist einfach überall und sie ist zeitlos.
Zum Schluss eine Art Wegbeschreibung. Ehrlich gesagt, ich bin ihr noch nicht gefolgt, wahrscheinlich aus Furcht, dass sie stimmt und ich dann Hakim und all die anderen sonderbaren Besucher dieses Ortes kennenlerne.
Die wichtigste Voraussetzung, um die temporäre Kneipe betreten zu können, ist die Vorstellung, sie betreten zu können. Man muss also wissen, dass es sie gibt oder zumindest daran glauben. Das Letztere erledigt sich, wenn man einmal dort gewesen ist.
Man muss nur davon überzeugt sein, dass, wenn man irgendeine beliebige Kneipe betritt, diese die temporäre ist. Das erste Mal betritt man sie, wenn man vor irgendeinem Laden steht und diesen vom Äußeren her als unangenehm empfindet, ihn gar nicht betreten will und es aus irgendwelchen Gründen dann doch tut. Die temporäre Kneipe ist überall und nirgends. Ihr Standort ist so vage, dass weder Verkäufer von Rosen noch von pfeifenden oder blinkenden Plastikfeuerzeugen hereinkommen. Da diese allerdings in Berlin allgegenwärtig sind, liegt die Vermutung nahe, den Standort der temporären Kneipe im Ausland, auf dem Jupitermond Io oder in einem Paralleluniversum zu vermuten.

Ich und mein Blog

Seit der Veröffentlichung meiner Kurzgeschichtensammlung „Eimerduschen“ habe ich einen Blog. Zuvor hatte ich jahrelang eine Website mit einer Textauswahlseite und einer Terminseite. Auf die Textauswahlseite habe ich zu Beginn mal ein paar Kurztexte hochgeladen und danach nie wieder. Meine Terminseite habe ich alle halbe bis dreiviertel Jahre aktualisiert. Kurzum, jeder Besucher meiner Website musste den Eindruck gewinnen, dass es sich um eine veralte Homepage eines total verpeilten Typen handelt. Fünf Monate nach dem Hochladen des WordPress-Blogs von Robert Rescue muss jeder Besucher den Eindruck gewinnen, es handele sich um einen veralteten Blog eines total verpeilten Typen. Dabei habe ich mich ja am Anfang ins Zeug gelegt und mir gesagt, dass ich jede Woche was Neues reinstellen muss. Dazu hatte ich mir die Messlatte hoch gelegt. Ich wollte nicht wie andere Kollegen den aktuellen Text der Woche reinsetzen, das war mir zu einfach. Ich wollte extra Texte nur für den Blog schreiben, interessante Artikel über das Leben und Schaffen des Robert Rescue. Außerdem sollten die Texte nicht zu lange werden, denn die Aufmerksamkeit des Internetnutzers ist gering und ich kenne es selbst zu genüge, auf einen Link zu klicken, dann eine ellenlange Textwüste zu erblicken und sogleich das Interesse zu verlieren, den Text zu lesen. Nach fünf Monaten muss ich also zugeben, dass ich diesem Anspruch nicht gerecht geworden bin. Spöttische Leser und Hörer werden vermutlich denken, dass die Ursache in dem Anspruch liegt, „interessante Artikel über das Leben und Schaffen des Robert Rescue“ schreiben zu wollen. Wenn ich so darüber nachdenke, muss ich zugeben, dass das ein Grund sein könnte. Ich sehe aber auch noch andere Gründe: Wenn ich schreibe, dann schreibe ich Texte für die Bühne und wie oben erwähnt, will ich diese Texte nicht in den Blog stellen. Ein reinrassiger Blogger kennt das Problem nicht, er schreibt meist nicht für die Bühne, sondern für seinen Blog. Ich lese keine Bücher, also schreibe ich keine Rezensionen, ich backe nicht, also kann ich keine Rezepte schreiben, ich bin nicht journalistisch tätig, also kann ich keine Artikel schreiben. Ich erlebe nichts, also kann ich nichts berichten. Das wenige, was ich außerhalb der Bühnentexte schreibe, stelle ich bei Facebook rein, also so Postings wie „Die H-Milch im ALDI ist diese Woche 6 Cent billiger“ oder „Hier ein Foto vom Abendessen im Schraders“. Ich könnte es auch in meinen Blog stellen und dann auf Facebook posten, dass ich was auf meinen Blog veröffentlicht habe, aber das finde ich lächerlich. Zusammengefasst muss ich sagen, dass ich mir mit dem Blog ein Bein gestellt habe.
Trotzdem besuchen immer noch Leute meinen Blog und ich schaue beinahe täglich, wie viele Aufrufe es gegeben hat. Manchmal ist es nur einer am Tag, manchmal aber auch zehn oder sogar zwanzig und jedes Mal habe ich das schlechte Gewissen, dass ich die Besucher enttäuscht haben muss. Immer wieder frage ich mich, wie die Leute meinen Blog gefunden haben und aufschlussreich sind da die Statistiken zu den Suchbegriffen. Neben vernünftigen Suchbegriffen wie „eimerduschen“, „rescue robert“ und „robert rescue lesung“ und ganz aktuell „opfer abo robert rescue“ finden sich dort aber auch irrwitzige Suchbegriffe. „bundeswehr satyre über kommunikation“ ist ein erstes Beispiel. Tatsächlich ist in meinem Buch ein Text über meine Wehrdienstzeit enthalten und auf dem Blog findet sich ein Link zum Satyr-Verlag, aber ich bezweifele, dass derjenige auf meinem Blog gefunden hat, wonach er gesucht hat. So gesehen glaube ich, dass er unter keinem der Treffer das richtige gefunden hat, vermutlich weil er selbst nicht wusste, was er suchte. Bei „teste ruckerkarton“ muss es sich um einen Rechtschreibfehler handeln, aber was hat derjenige stattdessen gesucht? Vielleicht „teste Druckerkarton“ oder besser noch „Reste Druckerkarton“? Aber warum landet der dann auf meinem Blog? Keiner der Texte dort handelt von einem „Druckerkarton“ und wenn ich jemals darüber schreiben würde, dann würde ich es „Druckerverpackung“ nennen. Den Suchbegriff „nachgeschichte station erde außerirdische“ hat bestimmt ein Esoteriker oder ein Weltuntergangsfan eingetippt, aber warum landet er auf meiner Seite? Derjenige, der „was antworte ich kollegen beim abschied“ bei Google eingeben hat, wurde wahrscheinlich von seinen Kollegen auf ein grundsätzliches Kommunikationsproblem hingewiesen, aber die Lösung dafür findet er nicht bei mir. Der Höhepunkt all dieser merkwürdigen Suchbegriff ist jedoch der, welcher mir am meisten Kopfzerbrechen bereitet hat –  „vertrag unterschrift kuli kaputt“. Diese vier Worte lassen in mir folgendes Bild aufsteigen. Irgendjemand sitzt an einem Schreibtisch und will einen Vertrag unterschreiben und in dem Augenblick, wo er mutmaßlich seine drei X kritzeln will, geht der Kugelschreiber kaputt. Unter normalen Umständen kann davon ausgegangen werden, dass sich auf dem Tisch oder sonst wo im Haushalt ein Ersatzstift findet und sei es ein Bleistift oder ein dünner Textmarker. Wenn nicht, könnte derjenige auch einen Nachbarn um Hilfe bitten oder sich vornehmen, gleich morgen einen Stift zu kaufen und den Vertrag dann zu unterschreiben. Offenbar kam dieser Mensch aber auf keinen anderen Gedanken, als sein Problem zu googeln. Das eröffnet eine ganz neue Dimension des „googelns“.
Gibt es bereits Menschen, die keinen gesunden Menschenverstand mehr besitzen und selbst die banalsten Dinge des Lebens googeln müssen? Existieren bereits Suchanfragen in der Art von „wie fenster zu machen?“ oder „wo salz kaufen?“ Ich bin ja fast versucht, mal die Probe aufs Exempel zu machen und „wo salz kaufen?“ bei Google einzugeben, aber ich fürchte, ich werde nicht den Hinweis „Keine Suchergebnisse gefunden“ erhalten. Verdammt, jetzt habe ich es getan und bekomme ungefähr 4 Millionen Suchergebnisse, aber keiner führt zu meinem Blog. Dagegen muss ich was tun und ich weiß auch, was.

Folienrecycling

„Eimerduschen – Ein Opfer packt aus“ wird in einer Folie eingeschweißt ausgeliefert und um diese Folie soll es in diesem Beitrag gehen. Viele Käufer des Buches reißen die Verpackung ab und schmeißen sie weg, dabei lässt sich die Folie für vielerlei Dinge weiterverwenden. Ein anfängliches Problem beim Schreiben dieses Textes war, dass ich hier keine Folie habe. Also ich habe Exemplare von „Eimerduschen“ hier, aber ich wollte von keinem Buch die Folie entfernen. Bücher habe ich in den letzten Tagen einige verkauft, doch die Käufer wollten sich das Buch nicht signieren lassen, sondern haben es mit Folie mitgenommen. Dankenswerter Weise hat mir mein Verlag Periplaneta geholfen und mir eine Folie überlassen. Im Folgenden stelle ich ein paar Möglichkeiten vor, wozu sich die Folie noch gebrauchen lässt.

Zum Beispiel als Brötchenaufbewahrungstüte, entweder für zuhause oder für unterwegs:

 

In der kommenden kalten Jahreszeit als Handschuh oder als origineller Boxhandschuh:

 

Als Kulturbeutel, allerdings nur für das nötigste. Der Kulturbeutel steht auf der „Waschmaschine des Grauens“, die mir allerdings gerade keine Furcht einflößt.

 

Als trendiger Geldbeutel oder als Sparschwein für das überschüssige Kleingeld, das man dann irgendwann zur Bank bringt.

Und als Teebeutel. Heißes Wasser rein, ziehen lassen und dann in eine Tasse schütten.

Wer die Folie das Buch erwerben möchte, kann dies u.a. hier tun:

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Geschichten rund um Geschichten: Hausverwaltung must die

Ich bin immer froh, wenn ich keinen Text über die Hausverwaltung hier in der Seestraße schreiben muss, denn das bedeutet, dass hier im Haus alles seine Ordnung hat. Muss ich aber doch was über die schreiben, dann kommt in den meisten Fällen ein absurder Text bei raus. Der titelgebende Text im Buch „Eimerduschen“ ist so ein Beispiel. Die lückenlose Dokumentation des monatelang verschleppten Austausches eines defekten Durchlauferhitzers, was schließlich zu dem führte, was dem Buch den Titel und auch das Cover gab – Eimerduschen.

Aktuell haben wir ein Problem mit der Haustür. Das Schloss ist kaputt. Es dauerte zunächst fast zwei Wochen, bis eine Mängelmeldung bei der Hausverwaltung ankam bzw. wahrgenommen wurde. Inzwischen ist eine Lösung in Sicht, aber eben nur in Sicht. Einen Text habe ich darüber geschrieben, der aber nicht so absurd geworden ist wie „Eimerduschen“, sondern eher realistisch deprimierend. Dafür ist er der 600. Text geworden, aber aufgrund des nervigen Inhaltes ist die geplante Jubelfeier mit Wunderkerzen beim erstmaligen Lesen des Textes von mir abgesagt worden.

Nun ein kleines Gewinnspiel: Auf den Fotos sind Aussagen von mir, doch welche? Ich verlose ein Exemplar von „Eimerduschen“. Wer mir auf Facebook eine Nachricht sendet und errät, welche Aussagen meine sind, gewinnt das Buch. Das Gewinnspiel scheint auf den ersten Blick sehr einfach zu sein, doch tatsächlich ist es etwas tricky …

(Mitarbeiter des Verlages Periplaneta, Hausbewohner der Seestraße, Kenner meiner Handschrift sowie Besucher der Brauseboys-Show vom 06.09.2012 dürfen nicht mitspielen.)

Es gilt weiterhin:

Die Releaseparty zum neuen Werk „Eimerduschen“ findet am 15.09.12, ab 21:30 Uhr im Kunst und Kultur Verein Mastul in der Liebenwalder Straße 33, 13347 Berlin statt.

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Geschichten rund um Geschichten: Ein riskantes Experiment

Neulich schickte ein Lesebühnen-Kollege einen Link zum „BlaBlaMeter“ herum. Ich habe mir einen Bookmark zu der Seite (auf die Seite? an die Seite?) gesetzt, obwohl ich eigentlich nicht vorhatte, dieses Skript auszuprobieren. Also vielleicht mit dem Text eines Kollegen oder mit einem langweiligen Posting auf Facebook, aber auf keinen Fall mit einem eigenen Text. Zu groß wäre die Sorge, dass der BlaBlaMeter meine Texte als Bullshit entlarvt und ich in meinem Schriftsteller-Ego erniedrigt werde. Gut möglich, dass ich mich in dem Fall schnell wieder aufrichte mit dem Gedanken, dass dieses Skript nicht in der Lage ist, einen großartigen Text des wunderbaren Robert Rescue in irgendeiner Weise zu „analysieren“. Kann aber auch sein, dass ich stattdessen einen Strick nehme.

Jetzt aber wage ich das Experiment. Ich rufe die Website auf und überlege, welchen Text ich ausprobieren soll. Ich entscheide mich zunächst für einen aktuellen Text, der nicht in „Eimerduschen“ enthalten ist. Darin geht es um das Schneidergeschäft hier nebenan, das plötzlich schließen musste und das kurze Zeit später als Internet-Café wiedereröffnet wurde. Ein typisches Schicksal alteingesessener Geschäfteinhaber hier im Wedding. Der Text beschreibt im Wesentlichen meine Trauer, den Schneider verloren zu haben. Von daher glaube ich, dass er nur wenig Bullshit enthalten wird. Ich kopiere den Text in das Feld und drücke auf den Button „Text testen“

Das Ergebnis:

Ich bin erleichtert. 0.08. klingt irgendwie beruhigend. Offenbar mache ich beim Schreiben alles richtig. Ich bin toll, ich bin ein Genie!

Skeptische Leser dieses Textes werden jetzt einwenden, wie es denn mit Texten steht, die in „Eimerduschen“ veröffentlicht sind. Also mache ich das Experiment und wähle den Text „Down and out“. Dieser beschreibt eine morgendliche Situation in der S-Bahn und mein Nachdenken über den T-Shirt-Aufdruck einer mir gegenüber sitzenden Frau.

Das Ergebnis:

Verdammt, 0.15 Bullshit-Anteil! Wie konnte das passieren? Was mache ich jetzt? Das Buch ist längst in Druck. Ich sitze eine Weile sprachlos vor dem Computer, bis ich mir sage, dass dieses Skript nicht in der Lage ist, einen großartigen Text des wunderbaren Robert Rescue in irgendeiner Weise zu „analysieren“.

Danach lösche ich den Bookmark.

Es gilt weiterhin:

Die Releaseparty zum neuen Werk „Eimerduschen“ findet am 15.09.12, ab 21:30 Uhr im Kunst und Kultur Verein Mastul in der Liebenwalder Straße 33, 13347 Berlin statt.

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Geschichten rund um Geschichten: Keinen Fettnapf auslassen

Mit Quittungen habe ich in meinem Leben noch nicht viel zu tun gehabt. Ich habe mal die eine oder andere unterschrieben, aber mehr hatte ich mich damit noch nicht beschäftigt. Seit ich selbstständig bin, muss ich häufig Quittungen ausfüllen und wundere mich, dass ich immer zwei, drei Bögen wegschmeißen muss, weil der Kugelschreiber durchschreibt. Den ersten Quittungsblock hatte ich in einem 1-Euro-Laden gekauft und dachte mir deshalb, das ist billig, also muss das so sein. Der zweite Quittungsblock ist aber von einer Markenfirma und ich brauche dreiviertel des Blocks, bis ich merke, dass sich hinten eine Schreibeinlage befindet, deren Sinn und Zweck ich auch sofort erkenne.

Man mag ja meinen, beim Schreiben einer Quittung könne man nicht mehr falsch machen als den falschen Steuersatz zu wählen, die falsche Summe einzutragen oder eine Unterschrift zu vergessen. Da geht noch mehr, wie der obige, aktuelle Kurztext zeigt. Ich hätte den Text nicht schreiben und vor allem nicht vorlesen müssen. Ich hätte den Mantel des Schweigens darüber breiten können und wenn irgendwann einmal jemand anderes von einem solchen Malheur berichtet, könnte ich mich über ihn lustig machen.

Vor dem LernerfolgIn dem bald erscheinenden Buch „Eimerduschen – Ein Opfer packt aus“ geht es um das gleiche. Also nicht um das Schreiben von Quittungen, sondern um das Scheitern von Robert Rescue in allen Belangen des Lebens. Die Opferrolle, die immer wieder aufs Neue Situationen schafft, über die ich schreiben kann und, ja, muss. Es ist mein Thema, meine Bestimmung, meine Freude.

„Eimerduschen“ ist daher das ideale Buch für alle, die nur Pech im Leben haben, denn durch die Lektüre werden sie begeistert sein, weil sie erkennen, dass es jemanden gibt, dem es noch schlechter geht als ihnen. Dass sie glücklich werden, macht mich glücklich. Wir haben also alle was davon.

Es gilt weiterhin:

Die Releaseparty zum neuen Werk „Eimerduschen“ findet am 15.09.12, ab 21:30 Uhr im Kunst und Kultur Verein Mastul in der Liebenwalder Straße 33, 13347 Berlin statt.

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