Ich und mein Blog

Seit der Veröffentlichung meiner Kurzgeschichtensammlung „Eimerduschen“ habe ich einen Blog. Zuvor hatte ich jahrelang eine Website mit einer Textauswahlseite und einer Terminseite. Auf die Textauswahlseite habe ich zu Beginn mal ein paar Kurztexte hochgeladen und danach nie wieder. Meine Terminseite habe ich alle halbe bis dreiviertel Jahre aktualisiert. Kurzum, jeder Besucher meiner Website musste den Eindruck gewinnen, dass es sich um eine veralte Homepage eines total verpeilten Typen handelt. Fünf Monate nach dem Hochladen des WordPress-Blogs von Robert Rescue muss jeder Besucher den Eindruck gewinnen, es handele sich um einen veralteten Blog eines total verpeilten Typen. Dabei habe ich mich ja am Anfang ins Zeug gelegt und mir gesagt, dass ich jede Woche was Neues reinstellen muss. Dazu hatte ich mir die Messlatte hoch gelegt. Ich wollte nicht wie andere Kollegen den aktuellen Text der Woche reinsetzen, das war mir zu einfach. Ich wollte extra Texte nur für den Blog schreiben, interessante Artikel über das Leben und Schaffen des Robert Rescue. Außerdem sollten die Texte nicht zu lange werden, denn die Aufmerksamkeit des Internetnutzers ist gering und ich kenne es selbst zu genüge, auf einen Link zu klicken, dann eine ellenlange Textwüste zu erblicken und sogleich das Interesse zu verlieren, den Text zu lesen. Nach fünf Monaten muss ich also zugeben, dass ich diesem Anspruch nicht gerecht geworden bin. Spöttische Leser und Hörer werden vermutlich denken, dass die Ursache in dem Anspruch liegt, „interessante Artikel über das Leben und Schaffen des Robert Rescue“ schreiben zu wollen. Wenn ich so darüber nachdenke, muss ich zugeben, dass das ein Grund sein könnte. Ich sehe aber auch noch andere Gründe: Wenn ich schreibe, dann schreibe ich Texte für die Bühne und wie oben erwähnt, will ich diese Texte nicht in den Blog stellen. Ein reinrassiger Blogger kennt das Problem nicht, er schreibt meist nicht für die Bühne, sondern für seinen Blog. Ich lese keine Bücher, also schreibe ich keine Rezensionen, ich backe nicht, also kann ich keine Rezepte schreiben, ich bin nicht journalistisch tätig, also kann ich keine Artikel schreiben. Ich erlebe nichts, also kann ich nichts berichten. Das wenige, was ich außerhalb der Bühnentexte schreibe, stelle ich bei Facebook rein, also so Postings wie „Die H-Milch im ALDI ist diese Woche 6 Cent billiger“ oder „Hier ein Foto vom Abendessen im Schraders“. Ich könnte es auch in meinen Blog stellen und dann auf Facebook posten, dass ich was auf meinen Blog veröffentlicht habe, aber das finde ich lächerlich. Zusammengefasst muss ich sagen, dass ich mir mit dem Blog ein Bein gestellt habe.
Trotzdem besuchen immer noch Leute meinen Blog und ich schaue beinahe täglich, wie viele Aufrufe es gegeben hat. Manchmal ist es nur einer am Tag, manchmal aber auch zehn oder sogar zwanzig und jedes Mal habe ich das schlechte Gewissen, dass ich die Besucher enttäuscht haben muss. Immer wieder frage ich mich, wie die Leute meinen Blog gefunden haben und aufschlussreich sind da die Statistiken zu den Suchbegriffen. Neben vernünftigen Suchbegriffen wie „eimerduschen“, „rescue robert“ und „robert rescue lesung“ und ganz aktuell „opfer abo robert rescue“ finden sich dort aber auch irrwitzige Suchbegriffe. „bundeswehr satyre über kommunikation“ ist ein erstes Beispiel. Tatsächlich ist in meinem Buch ein Text über meine Wehrdienstzeit enthalten und auf dem Blog findet sich ein Link zum Satyr-Verlag, aber ich bezweifele, dass derjenige auf meinem Blog gefunden hat, wonach er gesucht hat. So gesehen glaube ich, dass er unter keinem der Treffer das richtige gefunden hat, vermutlich weil er selbst nicht wusste, was er suchte. Bei „teste ruckerkarton“ muss es sich um einen Rechtschreibfehler handeln, aber was hat derjenige stattdessen gesucht? Vielleicht „teste Druckerkarton“ oder besser noch „Reste Druckerkarton“? Aber warum landet der dann auf meinem Blog? Keiner der Texte dort handelt von einem „Druckerkarton“ und wenn ich jemals darüber schreiben würde, dann würde ich es „Druckerverpackung“ nennen. Den Suchbegriff „nachgeschichte station erde außerirdische“ hat bestimmt ein Esoteriker oder ein Weltuntergangsfan eingetippt, aber warum landet er auf meiner Seite? Derjenige, der „was antworte ich kollegen beim abschied“ bei Google eingeben hat, wurde wahrscheinlich von seinen Kollegen auf ein grundsätzliches Kommunikationsproblem hingewiesen, aber die Lösung dafür findet er nicht bei mir. Der Höhepunkt all dieser merkwürdigen Suchbegriff ist jedoch der, welcher mir am meisten Kopfzerbrechen bereitet hat –  „vertrag unterschrift kuli kaputt“. Diese vier Worte lassen in mir folgendes Bild aufsteigen. Irgendjemand sitzt an einem Schreibtisch und will einen Vertrag unterschreiben und in dem Augenblick, wo er mutmaßlich seine drei X kritzeln will, geht der Kugelschreiber kaputt. Unter normalen Umständen kann davon ausgegangen werden, dass sich auf dem Tisch oder sonst wo im Haushalt ein Ersatzstift findet und sei es ein Bleistift oder ein dünner Textmarker. Wenn nicht, könnte derjenige auch einen Nachbarn um Hilfe bitten oder sich vornehmen, gleich morgen einen Stift zu kaufen und den Vertrag dann zu unterschreiben. Offenbar kam dieser Mensch aber auf keinen anderen Gedanken, als sein Problem zu googeln. Das eröffnet eine ganz neue Dimension des „googelns“.
Gibt es bereits Menschen, die keinen gesunden Menschenverstand mehr besitzen und selbst die banalsten Dinge des Lebens googeln müssen? Existieren bereits Suchanfragen in der Art von „wie fenster zu machen?“ oder „wo salz kaufen?“ Ich bin ja fast versucht, mal die Probe aufs Exempel zu machen und „wo salz kaufen?“ bei Google einzugeben, aber ich fürchte, ich werde nicht den Hinweis „Keine Suchergebnisse gefunden“ erhalten. Verdammt, jetzt habe ich es getan und bekomme ungefähr 4 Millionen Suchergebnisse, aber keiner führt zu meinem Blog. Dagegen muss ich was tun und ich weiß auch, was.

2 Kommentare zu “Ich und mein Blog

  1. Hey Robert!
    Mir hats mal wieder sehr gut gefallen. Und da ich deinen Blog abonniert habe und immer eine Email bekomme, wenn du etwas schreibst (also alle 5 Monate) bin ich keiner der enttäuschten Besucher, da ich deinen Blog nur besuche wenn du was geschrieben hast. Das ist auch gut so. Und du bist nicht allein. Mein letzter Blog war auch irgendwann im Januar. Und ich schreib nicht mal Texte für die Bühne, sondern nur für meinen Blog.

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