Geschichten rund um Geschichten: Ein riskantes Experiment

Neulich schickte ein Lesebühnen-Kollege einen Link zum „BlaBlaMeter“ herum. Ich habe mir einen Bookmark zu der Seite (auf die Seite? an die Seite?) gesetzt, obwohl ich eigentlich nicht vorhatte, dieses Skript auszuprobieren. Also vielleicht mit dem Text eines Kollegen oder mit einem langweiligen Posting auf Facebook, aber auf keinen Fall mit einem eigenen Text. Zu groß wäre die Sorge, dass der BlaBlaMeter meine Texte als Bullshit entlarvt und ich in meinem Schriftsteller-Ego erniedrigt werde. Gut möglich, dass ich mich in dem Fall schnell wieder aufrichte mit dem Gedanken, dass dieses Skript nicht in der Lage ist, einen großartigen Text des wunderbaren Robert Rescue in irgendeiner Weise zu „analysieren“. Kann aber auch sein, dass ich stattdessen einen Strick nehme.

Jetzt aber wage ich das Experiment. Ich rufe die Website auf und überlege, welchen Text ich ausprobieren soll. Ich entscheide mich zunächst für einen aktuellen Text, der nicht in „Eimerduschen“ enthalten ist. Darin geht es um das Schneidergeschäft hier nebenan, das plötzlich schließen musste und das kurze Zeit später als Internet-Café wiedereröffnet wurde. Ein typisches Schicksal alteingesessener Geschäfteinhaber hier im Wedding. Der Text beschreibt im Wesentlichen meine Trauer, den Schneider verloren zu haben. Von daher glaube ich, dass er nur wenig Bullshit enthalten wird. Ich kopiere den Text in das Feld und drücke auf den Button „Text testen“

Das Ergebnis:

Ich bin erleichtert. 0.08. klingt irgendwie beruhigend. Offenbar mache ich beim Schreiben alles richtig. Ich bin toll, ich bin ein Genie!

Skeptische Leser dieses Textes werden jetzt einwenden, wie es denn mit Texten steht, die in „Eimerduschen“ veröffentlicht sind. Also mache ich das Experiment und wähle den Text „Down and out“. Dieser beschreibt eine morgendliche Situation in der S-Bahn und mein Nachdenken über den T-Shirt-Aufdruck einer mir gegenüber sitzenden Frau.

Das Ergebnis:

Verdammt, 0.15 Bullshit-Anteil! Wie konnte das passieren? Was mache ich jetzt? Das Buch ist längst in Druck. Ich sitze eine Weile sprachlos vor dem Computer, bis ich mir sage, dass dieses Skript nicht in der Lage ist, einen großartigen Text des wunderbaren Robert Rescue in irgendeiner Weise zu „analysieren“.

Danach lösche ich den Bookmark.

Es gilt weiterhin:

Die Releaseparty zum neuen Werk „Eimerduschen“ findet am 15.09.12, ab 21:30 Uhr im Kunst und Kultur Verein Mastul in der Liebenwalder Straße 33, 13347 Berlin statt.

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Ein Kommentar zu “Geschichten rund um Geschichten: Ein riskantes Experiment

  1. Hierin zeigt sich mal wieder die Berliner 2- Klassen-Gesellschaft: Einer „Oberschicht“, die sich noch Dusche und Bad leisten kann, und einer „hedonistisch/künstlerisch tätigen Unterschicht“, die gezwungen sind, ihren Körper mit Wasser aus Eimern zu reinigen. Es reicht offensichtlich noch nicht einmal für billigen Aldi Champagner aus Eimern. Traurig.

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